Autor Thema: Die Gedanken eines sterbenden Hundes  (Gelesen 1412 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jonny

  • Beagle
  • ****
  • Beitr├Ąge: 73
  • Geschlecht: Weiblich
Die Gedanken eines sterbenden Hundes
« am: 19. August 2012, 21:43:02 »
Es war ein regnerischer Tag, als ich noch einmal einen Streifzug durch die gro├če Stadt machen wollte. Der Rasen und die B├╝sche waren na├č, und es war mir eigentlich doch zu ungem├╝tlich, bei diesem Wetter noch drau├čen zu bleiben. Doch den ganzen Tag hatte ich noch nichts gefressen,mein Magen knurrte so laut,und es tat weh...

Ich wollte so schnell wie m├Âglich wieder zur Ruine zur├╝ck, denn nun fing auch schon wieder der Regen an. Die breite Stra├če, die mich von meinem ungem├╝tlichen, feuchten Zuhause trennte, schien mir leer, und der Asphalt gl├Ąnzte vor N├Ąsse. Ich lief so schnell ich konnte los - doch das Auto war auf einmal da. So schnell kam es auf mich zu. Die Scheinwerfer blendeten meine Augen - und pl├Âtzlich sp├╝rte ich einen schlimmen, ganz schlimmen Schmerz. Ich wurde durch die Luft geschleudert und fiel mit meinem K├Ârper auf die Kante der Stra├če, die dort angebracht war, weil da ein Rasen und B├Ąume wuchsen. Ich hatte so furchtbare Schmerzen, und ich hatte solche Angst. Als ich mein K├Âpfchen hob, sah ich das Auto, das mich angefahren hatte, und ich konnte es nicht verstehen: es fuhr weiter. Es fuhr einfach weiter und lie├č mich hier liegen! Und ich hatte doch solche Schmerzen! Ich versuchte aufzustehen, doch es ging nicht. Mein Hinterbein tat so schrecklich weh, und auch das Luftholen fiel mir furchtbar schwer. Jetzt fing es auch noch ganz stark zu regnen an, und ich sp├╝rte, wie sich um mich herum eine Pf├╝tze bildete. Das Wasser auf der Stra├če wurde immer h├Âher und ich hatte kaum noch Kraft, meinen Kopf hochzuhalten. Wasser lief in meine Nase, lief in meinen Mund, und es tat so furchtbar weh! Autos fuhren an mir vorbei. Es waren viele Autos, und immer wieder versuchte ich, mein K├Âpfchen zu heben, damit die Menschen, die in den Autos fuhren, sehen konnten, dass ich Hilfe brauche - doch keiner hielt an. Ich weinte vor Schmerzen, doch niemand sah meine Tr├Ąnen. Niemand war da, sie fuhren alle an mir vorbei. Ich f├╝hlte, da├č mein Leben zu Ende ging, und ich wollte doch gar nicht sterben! Ich war doch immer lieb gewesen! Habe ich mich nicht immer mit Z├Ąrtlichkeiten bedankt und meine Liebe zu den Menschen gezeigt, weil ich ihnen so vertraute? Ich fing an zu frieren. Es war so kalt, und ich hatte so entsetzliche Schmerzen! Warum, ihr Menschen, fahrt ihr alle an mir vorbei? Warum helft ihr mir denn nicht? Ich m├Âchte noch nicht sterben! Ich bin doch erst ein Jahr alt! Ich wei├č nicht, wie lange ich in dieser nassen Pf├╝tze gelegen habe. Ich wurde auf einmal ganz m├╝de. Ich versuchte, mein K├Âpfchen aus der Pf├╝tze herauszuhalten, doch ich hatte keine Kraft mehr. Mein Kopf fiel ins Wasser zur├╝ck und ich dachte: "Jetzt ist es aus. Jetzt stirbst Du." Da - auf einmal waren Menschen da. Sie streichelten meinen kalten K├Ârper und hoben mich hoch. Ich wurde in eine Jacke eingewickelt und vorsichtig in ein Auto getragen. Ich freute mich, trotz meiner schlimmen Schmerzen, so sehr! Es gab doch noch gute Menschen, die mir helfen wollten. Sie fuhren mich zu einem Tierarzt, der ganz in der N├Ąhe war, und ich versuchte ganz ruhig zu bleiben, damit ich meine Schmerzen besser ertragen konnte. Die Menschenfrau, die mich trug, streichelte mich unentwegt, die beiden Kinder im Auto weinten vor Sorge um mich, und die Fahrerin bem├╝hte sich, vorsichtig zu fahren, damit ich keine Ersch├╝tterungen sp├╝rte. Ich dachte an meine 9 Welpen, die in der Ruine alleine waren und auf mich warteten, und ich freute mich so sehr, dass man mir helfen wollte. Die fremden Menschen waren so besorgt, und wie gern wollte ich weiterleben in dieser Menschen- Welt! Ich h├Ârte die Fahrerin sagen: "Endlich, wir sind da - jetzt wird alles gut!" - da wurde es um mich pl├Âtzlich dunkel und kalt, und ich sp├╝rte - es war zu sp├Ąt! Ich hatte keine Kraft mehr in meinem K├Ârper und f├╝hlte keine Schmerzen mehr! In den Armen der fremden Frau schlief ich f├╝r immer ein, als sie mit mir an der Haust├╝r des Tierarztes stand. Danke, den Menschen, die mich nach endlos langer Zeit schwerverletzt mitnahmen, um mein Leben zu retten; danke den beiden Kindern, die vor Sorge um mich, einen unbekannten Strassenhund, weinten und Verachtung den Menschen, die so herzlos sind, an einem schwerverletzten Tier vorbeizufahren .....