Autor Thema: Hundeverbot auf Almen  (Gelesen 4872 mal)

Offline Isabelle

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #15 am: 02. März 2019, 13:46:49 »
Bei uns hier in NÖ, südlich von Wien, Bezirk Baden gibt es wunderschöne Wege im Wald, in den Weinbergen und Feldern, wo man mit Hunden spazieren gehen kann und das machen auch wirklich viele! Da sind Pferde und Kühe (die es eh kaum mehr gibt) immer innerhalb einer eingezäunten Weide. Es sagt auch keiner was, wenn man die Hunde in den Feldern etwas laufen lässt, die meisten machen es eh nur, wenn die Hunde gut abrufbar sind. Denn es gibt natürlich sehr viele Rehe, Kaninchen, Füchse, Fasane etc. Die Rechte von diesen Tieren müssen natürlich auch bedacht werden.
Mir sind mal im Wald zwei Rottweiler begegnet, die offensichtlich ihrem (eh laut rufenden) Frauli entkommen sind, und die pretschten dann ziemlich orientierungslos durch den ganzen Wald. Meine Schwester und ich haben sie dann eingefangen und gehalten (waren liebe Riesenbabies). Meine Oma etwa wäre bestimmt in Ohnmacht gefallen, und abgesehen davon, ist das natürlich nicht in Ordnung, vor allem wegen den Tieren, die im Wald leben.
Es kann ja mal passieren, dass man die Leine versehentlich loslässt oder so, aber wenn dann etwas passiert, kann man halt nicht gut andere dafür verantwortlich machen, finde ich..

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #16 am: 02. März 2019, 14:20:11 »
Liebe Isabelle,

sehe ich genauso. Wenn jeder so viel Verantwortung für sich übernehmen würde, wie er anderen reinquatscht und/oder die Schuld bei anderen sucht, wäre schon viel geholfen.

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #17 am: 27. August 2019, 18:16:06 »
...offenbar hat sich doch noch mal die Vernunft eingeschalten: Der (leider tödlich verunglückten) Frau wurde jetzt in 2. Instanz eine 50%-ige Mitschuld angelastet. Was die in erster Instanz auferlegte Schadenersatzverpflichtung des Landwirtes (von ursprünglich fast einer halben Million Euro...) zumindest etwas eindämmt. Aber da sich natürlich auch niemand mit diesem Urteil zufrieden gibt, ist jetzt der Oberste Gerichtshof am Wort. Das kann dauern und es bleibt spannend...
« Letzte Änderung: 27. August 2019, 18:18:25 von Sai »

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #18 am: 29. Mai 2020, 11:25:34 »
Mittlerweile ist die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes (OGH) da:

Der Spaziergängerin mit Hund wurde eine Mitschuld angelastet. Mit anderen Worten: Der Landwirt trägt (meiner Ansicht nach zu Recht) NICHT die volle Verantwortung dafür, wenn Spaziergänger ihre Hunde auf die Alm mitnehmen und die Kühe dann dort ihre Kälber verteidigen.

Die Conclusio ist daher: Kopf einschalten und genau überlegen, ob und wo man mit seinem/n Hund/en spazieren geht. Kann böse ausgehen und zwar für alle Beteiligten, auch die Überlebenden, die dann mit lebenslangen Zahlungsverpflichtungen belastet werden bzw. den Tod ihrer Angehörigen verkraften müssen. 

Offline Duffy

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #19 am: 29. Mai 2020, 15:47:56 »
Sorry, dass ich mich da jetzt mal einmische. Ich lebe im tiefsten Pinzgau. Bei uns gibt es nur Wiesen mit Kühen und Pferden. Keiner hier war dabei. Aber ich werde euch erzählen, wie das hier bei uns so ist. Wenn ich die geisteskranken Hundehalter ansehe, die ihre nicht  mal im entferntesten erzogenen Hunde in jede Wiese reinlassen, dann kommt mir das Kotzen. Täglich sehe ich das. Es wird von Pferden und Kühen erwartet, dass sie still stehen sollen, damit die Hunde die Tiere ankläffen und jagen dürfen.
Was soll die Scheisse??? Und was hat man mit einem Hund in einem Feld mit Tieren zu suchen???? Noch dazu, wenn eh schon ein Warnschild am Gatter hängt. Jeder der mich hier seit Jahren kennt, weiß, dass ich zu Spitzenzeiten mit 5-6 Hunden spazieren war. Glaubt ihr, ich würde jemals  mit meinen
Hunden in ein Feld mit Kühen gehen? Da müsste ich schon Selbstmordgedanken haben. Und ich hoffe, dass alle, die von einer Kuh attackiert werden, den Bauern auch noch Schadenersatz zahlen müssen.
Und es gibt ja überall Wege, da muss man nicht durch die Tierwelt laufen.

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #20 am: 29. Mai 2020, 17:02:48 »
Liebe/r Duffy,

ich sehe das auch so. Wir hatten die Diskussion hier aber schon mal, deshalb beschränke ich mich jetzt auf die Fakten und lasse die Emotionen (die ich durchaus nachvollziehen kann), jetzt weg.

Weil mir sonst leider auch das K... kommt und ich keine Lust habe, hier als "Hundehasser" da zu stehen, der seinen Tiere den artgerechten Auslauf verweigert, nur weil ich (ebenso wie du) der Ansicht bin, dass andere Tiere auch Rechte haben.

Kann man alles hier nachlesen, möge sich jede/r selbst ein Bild machen und dann in Eigenverantwortung die für ihn/sie beste Entscheidung treffen.

PS: Meiner Meinung nach sollte den Landwirt gar keine Schuld treffen, aber offenbar gibt es im konkreten Einzelfall Umstände, die den OGH zu einer anderen Entscheidung bewogen haben. Schlimm genug, wahrscheinlich kann er jetzt Konkurs anmelden und die überlebenden Angehörigen heimsen eine fette Zahlung ein.
« Letzte Änderung: 29. Mai 2020, 17:20:42 von Sai »

Offline Martina68

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #21 am: 28. Juni 2020, 11:38:51 »
In Tirol ist eine Frau mit ihren nicht angeleinten Hunden auf eine Gruppe Kälber zugegangen. Daraufhin haben die Hunde die Kälber angegriffen. Laut Augenzeugen hätte die Besitzerin die Hunde immer wieder gerufen, doch haben diese nicht auf sie gehört. Auf dieser Weide waren nur Kälber ohne Mutterkühe (sonst wären Hunde und|oder Besitzerin
sicher nicht heil wieder rausgekommen.

Letztens sah man im TV wie eine Frau mit ihren zwei Kindern, das Kleinkind auf dem Arm der Mutter, direkt auf eine Gruppe Kühe zuging um diese zu "streicheln". Ein Bauer, der die Alm beaufsichtigte, rief sie an und wies auf die Hinweis- und Warnschilder, die überall befestigt waren. Sie stellte sich "dumm" - "Ach so, was steht denn da"

Solche Ignoranten sollten meiner Meinung nach massiv Strafe zahlen müssen. Anders wird sich da nichts ändern. Ich habe vollstes Verständnis, wenn aufgrund solcher Vorfälle, die ja auch nicht abreißen, die Bauern ihre Wege und ihren Grundbesitz für Spaziergeher und Wanderer sperren.
LG Martina & Jakob & Moritz und diverse zwei- und vierbeinige tierische Mitbewohner

Offline Ginangel

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #22 am: 28. Juni 2020, 14:50:24 »
Es geht noch dämlicher:
Scare a Cow Challenge

https://www-pnp-de.cdn.ampproject.org/v/s/www.pnp.de/nachrichten/panorama/TikTok-Trend-Kueheerschrecken-Landwirt-macht-seinem-Aerger-Luft-3717069.amp.html?amp_js_v=a2&amp_gsa=1&usqp=mq331AQFKAGwASA%3D#aoh=15933483307805&referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com&amp_tf=Von%20%251%24s&ampshare=https%3A%2F%2Fwww.pnp.de%2Fnachrichten%2Fpanorama%2FTikTok-Trend-Kueheerschrecken-Landwirt-macht-seinem-Aerger-Luft-3717069.html

Wie bescheuert kann man sein?
Und wenn dann was passiert bringen die Schadensersatzzahlungen den Bauern an den Rand der Insolvenz.

Ich verstehe es voll, wenn die Bauern die Wege und Almen sperren. Schade halt dann für die Leute, die sich korrekt verhalten.
Und für den Tourismus generell - und an dem hängen bei uns in Tirol sehr viele Arbeitsplätze.
« Letzte Änderung: 28. Juni 2020, 14:56:08 von Ginangel »
Angelika + die Tatzen und Pfoten ;-)

Offline nuffl

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #23 am: 29. Juni 2020, 09:08:25 »
selbst die Kälber haben durch den Vorfall wohl gelernt, dass Hunde böse sind... und wenn die dann wieder Kälber bekommen, macht das die Sache nicht einfacher. :(

Einstein hatte schon recht... es gibt nur 2 Dinge, die unendlich zu sein scheinen... die Dummheit der Menschen und das Universum. bei letzterem war er sich noch nicht sicher.

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #24 am: 29. Juni 2020, 11:22:34 »
Wen es interessiert:
Anbei der Link zur Website des OGH, dort wird das Urteil in den wesentlichen Entscheidungsgründen zusammen gefasst und erläutert, was im konkreten Fall offenbar schief gelaufen ist, bzw. worauf man als Spaziergänger/in achten sollte:

https://www.ogh.gv.at/entscheidungen/kuhattacke-auf-der-alm-haftung-des-landwirts-und-mitverschulden-des-wanderers/

Allerdings gibt es offenbar seit 2019 (der Vorfall mit der tödlich verunglückten Frau war 2014) eine möglicherweise wieder etwas anders lautende Rechtslage ("... auf dieses Ereignis war die mit dem Haftungsrechts-Änderungsgesetz 2019 normierte Sonderbestimmung für die Halter in der Alm- und Weidewirtschaft noch nicht anzuwenden").

Ich habe mir jetzt aber nicht die Mühe gemacht, mich in die aktuelle Rechtslage einzulesen, was ich persönlich von Hunden auf Almen halte, habe ich hier ja schon kund getan, kann und darf aber ohnehin jede/r für sich selbst entscheiden.

Jedenfalls betrifft die im Artikel angesprochene Tierhalter-Haftung (§ 1320 ABGB) nicht nur Bauern und ihre Kühe, sondern natürlich auch Hundehalter/innen. Gleiches Recht für alle :-)
« Letzte Änderung: 29. Juni 2020, 11:36:36 von Sai »

Offline Lessy21

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #25 am: 12. Juli 2020, 00:10:35 »
Was ich halt schade finde ist, dass auf Grund von einigen wenigen Leuten, die ihren Kopf nicht benutzen, neue Gesetzte aufgestellt werden, die vielen anderen aber eher Steine in den Weg legen. :22:
Dass ich generell bei Muttertieren mit Jungen vorsichtig bin, ist ja eigentlich bekannt. Kühe oder auch Schafe sind ja schon eingezäunt (was auch sinnvoll ist). Aber bald muss der Bauer (übertrieben gesprochen) noch für einen geeigneten Abstand oder Alternativweg sorgen, falls Leute vorbei kommen könnten, die nicht ganz so mitdenken. :114:
Ich weiß es gibt immer zwei Seiten, doch manchmal wünschte ich mir, Menschen würdne ihren Kopf etwas mehr benutzen. Damit könnte so viel harmonischer sein.  :53:

Offline Sai

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Re: Hundeverbot auf Almen
« Antwort #26 am: 12. Juli 2020, 09:02:45 »
Ja, Kopf einschalten wäre gut.

Wobei zu viele "Kopfgeburten" auch wieder schädlich sind. Die verunglückte Frau wollte es ja offenbar "besonders" gut machen, indem sie die Leine ihres Hundes direkt am Körper befestigt hat. In der Hektik hat sie den Karabiner dann natürlich nicht mehr aufbekommen... Ich persönlich verstehe ja nicht, was man sich dabei denkt, irgendeinen "Grund" wird sie aber sicherlich gehabt haben. Leider.

Vielleicht wäre daher ganz allgemein auch die Rückkehr zu einer Art natürlichem Instinkt schön, ein wenig mehr Bauchgefühl, Mitgefühl - mal weg von dieser "Ich will, ich brauche, ich habe"-Mentalität. Aber das wäre jetzt wohl wieder ein anderes Thema.  :109: :53:
« Letzte Änderung: 12. Juli 2020, 09:05:53 von Sai »