Autor Thema: ...vom Auslasten und Überlasten  (Gelesen 8971 mal)

Offline Tamara-Louisa

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...vom Auslasten und Überlasten
« am: 30. Mai 2018, 09:34:51 »
Heute habe ich einen sehr lesenswerten Bericht gefunden, wieso viele Border Collies so irre sind und wie man es schafft sie zum Problemhund zu Erziehen.

Mein Hunde-Werdegang dauert ja noch nicht all zu lange - im November werden es 3 Jahre - aber meine innere Haltung zu Hunden hat sich in diesen 2,5 Jahren um 180° gedreht. Meine Einstellung anfangs war: Ein glücklicher Hunde ist der, mit dem man viel macht. Mit dem man sich möglichst viel und möglichst schnell bewegt und dem man den ganzen Tag Action bietet...

... und dann kam Liam. Der Border-Husky-Mix in den wir uns sofort verliebt haben. Aber wie sollen wir den jemals auslasten? Es schien, als würden wir ihm einfach nie gerecht werden. Er kam als Häufchen Elend - aber je fitter er wurde, desto mehr Action wollte er, dachten wir. Er war immer hibbelig und ständig in Bewegung. Wir waren schon etwas überfordert und der Ansicht, wir wären diesem Hund nicht gewachsen, doch dann brachte uns eine liebe Freundin die Erkenntnis: dieser Hund braucht Ruhe!

Zwischenzeitlich brauchten wir dann für einen 2km Spaziergang eine Stunde. Auch heute brauchen wir für die selbe Strecke noch gerne eine 3/4 h. Wenn man in Liams echten Tempo geht, braucht man nicht viel Kondi, dafür aber Zeit und Geduld - denn er schaut sich alles ganz genau und lange an. Veränderungen auf seiner Strecke (Wäscheständer heraußen, neuer Zaun, etc.) fallen ihm sofort auf.

Was ich damit sagen will: die meisten Hunde in unserer Gesellschaft werden schlichtweg total überfordert - ich verstehe es, denn auch wir dachten damals, dass Liam noch mehr und mehr braucht. Dabei ist es in Wahrheit das genaue Gegenteil!

Achso ja und hier noch der Artikel, wegen dem ich diesen Roman überhaupt geschrieben habe  :alas:

https://www.planethund.com/hundewissen/border-collie-problemhund.html
« Letzte Änderung: 30. Mai 2018, 11:05:42 von Tamara-Louisa »
Liebe Grüße,
Tamara

Hunde sind wie Bücher, man muss nur in ihnen lesen können, dann kann man viel lernen.
Oliver Jobes

Offline Ilse

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #1 am: 30. Mai 2018, 09:49:01 »
Liebe Tamara!
Das stimmt! Ich hatte eine Mischlingshündin - mit Mali -, die auch sehr, sehr aktiv war. Wir dachten auch, dass wir die Hündin müde machen müssten, bis zu dem Zeitpunkt, wo uns ein Energetiker gesagt hat, dass unser Hund überfordert ist und sie eigentlich Ruhe braucht.
Auch ein anderer Hundetrainer hat uns das bestätigt.
Ja, man lernt immer dazu! :]
Ilse und die 3 Pinscherln, Bibi, unvergessen meine kleine Carlina, Melly die Robuste, mein Energiebündel Lizzy, Kitty,  Minnie, Bambi, Charly, Candy, Amy, mein letztes Möpschen Zofie und nun auch meine Französin Lori

Snoop Dogs

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #2 am: 30. Mai 2018, 09:57:59 »
buchempfehlung dazu: stephanie lang von langen "entspannt mit hund"
sie meint, hunde sind keine sportgeräte
wenn ich manchmal hier lese, dass poster stolz darauf sind, wenn ihre hunde 6 stunden wanderungen mitmüssen, tun mir die tiere leid

Offline Kathrin_Wien

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #3 am: 30. Mai 2018, 10:09:01 »
Hallo,

Spannend, dass du das schreibst - mein Bordercollie oder Aussie oder was-auch-immer-Mix ist auch am glücklichsten wenn wir in der Früh 1/2h gemütlich spazieren und am besten wenn er da sein Frühstück in der Wiese suchen darf. Nachmittag/Abend spielt er gern eine Runde mit dem Dummy oder Ball - insgesamt sind wir meist 1,5h draußen (haben aber halt keinen Garten).
Eine Zeit lang hab ich versucht mit ihm laufen zu gehen, er hat aber wenn ich 5 Runden laufen war (je 1km) nach jeder Runde Richtung Wohnung gezogen  :alas:
 Daheim chillt er sowieso den ganzen Tag - ich dachte früher auch oft dass ihm langweilig ist, bin aber draufgekommen dass er einfach viel Ruhe braucht - wenn wir ein Wochenende bei meinen Eltern sind, wo immer Action ist, schläft er Montag quasi durch weil er dort zu wenig zur Ruhe kommt.

Edit: @Snoop Dogs: Ich gehe durchaus auch manchmal halbtags mit meinem Hund wandern und er hat auch sichtlich Spaß dabei, denke das kommt auch ganz auf den Hund an, ich würde das nicht pauschal verteufeln
« Letzte Änderung: 30. Mai 2018, 10:17:37 von Kathrin_Wien »

Snoop Dogs

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #4 am: 30. Mai 2018, 10:13:18 »
danke, superlink

Offline dandy

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #5 am: 30. Mai 2018, 10:40:41 »
Ich denke eine gute Mischung macht es aus. Unsere Hunde gehen gerne ihre gewohnten Runden (von 1/2 bis 2h aber gemütlich), auch Winnie geht die 2 h am Stück. Sie chillen gerne im Garten, aber sie gehen auch gerne die langen Wanderungen mit, erleben gerne etwas Neues (Winnie dann zeitweise in der Tasche  :icon_lol:).
Was ich sagen möchte, ein Bißchen Routine (Revier kontrollieren, abstecken, neu markieren), ein Bißchen Aufgabe (Winnie bewacht das Grundstück, Troll assistiert dabei, die Oldies greifen nur ein, wenns wirklich notwendig ist (Briefträger  :shirty:) und manchmal eine ordentliche Auslastung, damit es nicht so eintönig wird, aber danach ist Ausruhen angesagt. Ich denke das kriegt jeder selbst mit, wieviel er seinem Hund zumuten kann, will, muss.
In meinem Herzen Buz, Dasy, Gustav, Ceno, Strolch, Winnie und jetzt auch Dandy  :25:

Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere

Karo

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #6 am: 30. Mai 2018, 11:21:42 »
"Wie" ist ausschlaggebend. Ein spezialisierter Arbeitshund fällt in unserer Gesellschaft auch wg. Unterforderung auf, weil z.B. die Rassewahl eine Fehleinschätzung war.

Offline Samymaus

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #7 am: 30. Mai 2018, 12:32:08 »
Meine Samy hat ja das Chillen quasi erfunden :37: Shorty war anfangs ziemlich Duracell-mäßig unterwegs, inzwischen hat er schon gelernt, dass auch mal Pause zu sein hat. Das funktioniert zumindest zu Hause schon sehr gut. Im Büro ist das schwieriger, weil sich immer jemand findet, der den Ball wirft und somit gibt Shorty dann auch keine Ruhe und kann recht hartnäckig das Spielen einfordern. Typischer Balljunkie, das hört erst auf, wenn ich den Ball wegräume.

Ich finde, es spricht nichts dagegen, mit einem Hund wie Shorty auch etwas anspruchsvolleres zu machen. Er ist sehr intelligent, schnell und wendig und hat großen Spaß an Interaktion. Ihn könnte ich mir beim Agility gut vorstellen, Samy würde mir den Vogel zeigen, wenn ich sie in den Parcour stelle :24: Was aber nicht heißt, dass sie nicht Vollgas gibt, wenn wir mit mehreren Hunden auf die Wiese gehen.

Es kommt auf den Hund an, wieviel Action er braucht bzw. verträgt und man sollte, wie so oft im Leben, ein gesundes Mittelmaß finden.

Offline Mimi

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #8 am: 31. Mai 2018, 13:00:18 »
Das habe ich auf FB gefunden und kann nur zustimmen:

Ab 25° C Außentemperatur trifft man immer wieder auf ein erstaunliches Naturphänomen: Die Radfahrer mit Hund. Das ganze Jahr über verstecken sie sich, aber exakt ab Hochsommer kriechen sie aus ihren Löchern. Luftig bekleidete Menschen, die sich genießerisch beim Radeln den frischen Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Denn beim zu Fuß gehen kommt man bei den Temperaturen einfach zu leicht ins Schwitzen. Das Ganze mit einem in den Regel angeleinten, im Galopp nebenher hechelnden Hund, dem die Zunge bis zum Asphalt raushängt. Bevorzugt am Halsband.
Was geht in diesen Menschen vor? Haben ihrer Ansicht nach Hunde ein anderes Temperaturempfinden? Sind das die Menschen, die ihren Hund auch im Sommer im Auto auf dem Parkplatz braten lassen? Ist das in ihren Augen Auslastung, das berühmte Auspowern um jeden Preis? Erspart das lästiges den-Hund-noch-schnell-Bewegen? Die Länge der "Gassi-Runde" durch entsprechendes Tempo einfach verkürzen?
Grundsätzlich powert man bitte einen Hund schon mal nicht aus. Einen Hund lastet man aus. Nur weil wir 10 Stunden täglich im Büro sitzen, was wider der menschlichen Natur ist, und wir dies durch feierabendliches Streßjoggen oder auf-dem-Laufband-rennen kompensieren, müssen wir diese Burn-Out-Vorbereitung doch nicht auf unseren Hund übertragen.
Ein Hund braucht 18-20 Stunden Schlaf am Tag. Möglichst nicht in Einsamkeit, denn dies ist kein erholsamer Schlaf. Und was tun dann Hunde in Freiheit, also Straßenhunde, verwilderte Hunde? Sie ziehen gemächlich von Müllhalde zu Müllhalde und rennen nicht im Hetzgalopp durch die Wälder. Und erst recht nicht bei Hitze sondern dann, wenn es abgekühlt ist. Man sieht überhaupt selten Tiere freiwillig länger als ein paar Minuten rennen, seien es wilde Tiere oder domestizierte Tiere.
Wenn Sie das Bedürfnis haben, ihren Hund bei hochsommerlichen Temperaturen "auspowern" zu müssen, dann rennen Sie bitte selber erst mal eine halbe Stunde durch die pralle Sonne. Aber mit warmer Jacke, ja?
"Ausgepowert" muss kein Hund werden. Auslasten hat nie etwas mit km/h zu tun, sondern mit Erleben, Sinne in Ruhe einsetzen, Gemeinschaft, Natur fühlen, Hund sein und Seele baumeln lassen zu tun. Alles andere ist kontraproduktiv und bewirkt durch die Produktion des Hormons Adrenalin, dass der Hund immer mehr und mehr braucht und immer hibbeliger anstatt ruhiger und ausgeglichener wird.
(Text geklaut, da toll geschrieben. Verfasser Eva Windisch,
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Snoop Dogs

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #9 am: 31. Mai 2018, 13:10:52 »
100 % zustimmung

Offline Petra aus Linz

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #10 am: 31. Mai 2018, 13:19:32 »
Ein wichtiges Thema !  Ein weiteres gutes Buch dazu ist: "Einfach Hund sein dürfen- das Hundeleben natürlich gestalten" von Thomas Riepe.
LG Petra+Elena+Jordy+Cats

Offline Tamara-Louisa

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #11 am: 31. Mai 2018, 13:44:23 »
Danke für die Büchertipps ihr Lieben, wir sind immer auf der Suche nach Büchern in diese Richtung. Ich kann alle Bücher von Maike Maja Nowak empfehlen. Besonders “Wanja und die wilden Hunde“ und “Abenteuer Vertrauen“ haben ganz viel in mir bewegt und unsere Gemeinschaft sehr gestärkt.

@Felicitas: der Beitrag aus FB ist wirklich super. Leider haben wir heute schon wieder einen Jogger mit Hund in der prallen Sonne gesehen - um die Mittagszeit.  :not: Mich würd wirklich interessieren was in den Leuten vorgeht.
Liebe Grüße,
Tamara

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Offline Mimi

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #12 am: 31. Mai 2018, 13:49:57 »

@Felicitas: der Beitrag aus FB ist wirklich super. Leider haben wir heute schon wieder einen Jogger mit Hund in der prallen Sonne gesehen - um die Mittagszeit.  :not: Mich würd wirklich interessieren was in den Leuten vorgeht.

Unglaublich wie irr die Leute sind. Das kann auch für Menschen nicht gesund sein. Sollen's in der Früh zeitig aufstehen und  joggen gehen.
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Offline Andrea63

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #13 am: 31. Mai 2018, 15:37:11 »
In meiner Nachbarschaft darf der übergewichtige Boarder hinterm Moped/Auto herlaufen. Auch toll!!!

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Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier.

Offline Martina68

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Re: ...vom Auslasten und Überlasten
« Antwort #14 am: 04. Juni 2018, 12:18:19 »
Hier gab es auch einen übergewichtigen Mann, der, er ist mittlerweile verstorben, während er im Auto saß und langsam fuhr durch das Fahrerseitenfenster seinen Labi-Mix an der Leine neben dem Auto herlaufen ließ.

Die Leute denken sich leider einfach nichts dabei. Man müsste es ihnen sagen; doch glaube ich, dass man in der heutigen Zeit leicht von den Hundebesitzern, wenn man sie darauf hinweist, eine freche Antwort bekommen würde. Ich habe aber schon manchmal Hundebesitzer darauf angesprochen und auch dann, wenn mir etwas anderes wie zB Welpen, die an der Leine, welche am Halsband befestigt war, hinterher geschleift wurden, wenn sie nicht schnell genug liefen oder in eine andere Richtung wollten, als von Herrli oder Frauli gewünscht.
LG Martina & Jakob & Moritz und diverse zwei- und vierbeinige tierische Mitbewohner

 

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